Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung

Einführung

Mit dem 1. August 1998 trat die neue deutsche Rechtschreibung in Kraft, die am 1. Juli 1996 von den Regierungsvertretern der deutschsprachigen Länder in Wien unterzeichnet wurde. D. h., es begann die auf sieben Jahre angesetzte Übergangsphase, in welcher in den Bereichen, für die der Staat weisungsberechtigt ist - also vor allem Schule und öffentliche Verwaltung – sowohl die alten als auch die neuen Schreibweisen gelten.
Diese Internetsite bietet eine auf Expertenwissen gestützte kurze und übersichtliche Information zur Neuregelung.
Auch wenn es müßig scheinen mag der Legion von Publikationen zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung eine weitere hinzuzufügen – das Ausmaß der Desinformation und der irreführenden Nachrichten zu diesem Thema machen es gerade in Südtirol nötig, ein etwas ausgewogeneres Bild der Umstände und der Inhalte dieser Neuregelung zugänglich zu machen.

Zu diesem Zwecke biete ich den Benutzern eine Darstellung der neuen Schreibweisen und der wichtigsten Regeln durch die beiden Schweizer Mitglieder der internationalen Rechtschreibkommission, Prof. Dr. Horst Sitta und Dr. Peter Gallmann, in zwei Versionen, einer kurzen und einer ausführlicheren. Die beiden Autoren haben mir ihre Texte freundlicherweise für diesen Zweck zur Verfügung gestellt.

Weiters gebe ich einen kurzen Abriss der Entstehung dieser Neuregelung, erörtere einige Argumente der Gegner der neuen Rechtschreibung und stelle Überlegungen zur Umsetzung der Neuregelung in Südtirol, vor allem in den Schulen, an.

Dies erscheint hier deswegen besonders notwendig, da das am weitesten verbreitete Informationsorgan nicht nur unvollständig, sondern oft auch völlig irreführend über das gesamte Geschehen informiert hat. So wird z. B. von einem bestimmten Dolomiten-Redakteur jeder Furz eines deutschen Politikers oder eines niederländischen "Prominenten" gegen die Neuregelung abgedruckt, die Tatsache jedoch, dass die deutschen Kultusminister Mitte Februar beschlossen haben am Zeitplan der Einführung festzuhalten und mit 1. August die Übergangsphase beginnen zu lassen, ohne an dem jetzigen Entwurf etwas zu ändern, ist dem dafür zuständigen Redakteur bis jetzt keine Zeile wert gewesen. So ernst nehmen es diese Leute mit der Informationspflicht, wenn eine andere Meinung als die ihre sich durchsetzt! Manchmal hatte man den Eindruck, die Leser würden nicht nur einseitig, sondern bewusst falsch informiert. So ging kürzlich durch die Presse, die beim Institut für deutsche Sprache in Mannheim eingerichtete Kommission habe den Auftrag, die Reform zu korrigieren. In Wirklichkeit lautete der Auftrag der Kultusminister, die Kommission solle auf die Wahrung einer einheitlichen Rechtschreibung im deutschen Sprachraum hinwirken. Die FAZ schriebs, und alle, alle habens abgeschrieben. Eine etwas objektivere Information würde zwar die Mängel der Neuregelung nicht verschweigen, aber auch nicht die Gründe dafür, und vor allem nicht alle Vorteile, die sie unbestreitbar für nichtprofessionelle Schreiber und ganz besonders für die Lernenden mit sich bringt.


Zum Werdegang der Neuregelung

Alle sind sich einig, dass die deutsche Rechtschreibung schwierig ist. Sie ist es aber nicht nur für Schülerinnen und Schüler, die sie erwerben müssen, sie ist auch für gelernte Schreiber schwer zu handhaben.

Das hat mehrere Gründe. Einmal ist es generell schwierig die sich widersprechenden Prinzipien der Rechtschreibung unter einen Hut zu bringen: so steht z. B. dem Lautprinzip (Schreibe die Wörter möglichst lautgetreu!) das Stammprinzip (Schreibe stammverwandte Wörter (= Wortfamilien) möglichst gleich oder ähnlich!) entgegen. Zum andern hat es in der Schreibung des Deutschen einen jahrhunderlangen Wildwuchs gegeben, der auch mit der Einführung der Einheitsschreibung im Jahre 1902 nicht ganz gestoppt worden ist.

Nach ungefähr hundert vergeblichen Vorschlägen bildet sich im Jahr 1980 der "Internationale Arbeitskreis für Orthographie", welcher 1988 die ersten Vorschläge veröffentlicht. Nach heftigen Diskussionen einigt man sich schließlich 1994 auf einen gemeinsamen Vorschlag. Nach einigen weiteren Modifizierungen wird dieser schließlich von allen zuständigen politischen Instanzen angenommen und am 1. Juli 1996 in Wien unterzeichnet. Die Umsetzung beginnt am 1. August 1998 und wird nach einer Übergangsphase von sieben Jahren im Jahre 2005 abgeschlossen sein. Ab diesem Zeitpunkt sollen im Geltungsbereich der Neuregelung nur mehr die neuen Schreibungen akzeptiert werden.


Franz Lanthaler


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