Geltungsbereich der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung

Mit der Unterzeichnung einer formellen Erklärung durch Deutschland, Österreich und die Schweiz ist am 1. Juli 1996 in Wien die Grundlage für eine neue amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung geschaffen worden.

Das neue Regelwerk ist als Grundlage für die Rechtschreibung innerhalb derjenigen Einrichtungen gedacht, für die der Staat Regelungsgewalt beansprucht. Im Prinzip sind das die Schule und die staatliche Verwaltung. Aber natürlich liegen die neuen Regeln auch der Neuauflage des Rechtschreib-Duden und der anderen Rechtschreib-Wörterbücher zugrunde. Damit ist gewährleistet, dass sich über Schule und Verwaltung hinaus die große Mehrheit der Schreibenden nach der neuen Regelung richten wird.

Die beschlossene Neuregelung stellt die erste größere Veränderung unseres orthographischen Systems seit 1901/02 dar. Ihr Hauptziel ist es, mehr Systematik in die Rechtschreibung zu bringen, um sie so besser lehr-, lern- und handhabbar zu machen. Dabei bringt die Neuregelung nicht den großen Durchbruch, den manche erwartet, einige vielleicht auch befürchtet haben. Es gibt eine maßvolle Reform, mehr nicht, freilich auch nicht weniger. Immerhin lässt sich sagen, dass nun ein Weg beschritten worden ist, der das Schreiben in bestimmten Bereichen erleichtern wird, ohne die vertrauten Schriftbilder wesentlich zu verändern und die Lesbarkeit der Texte zu beeinträchtigen.

Die amtliche Regelung deckt den allgemeinen Wortschatz ab. Sie beansprucht damit keine Gültigkeit für die Schreibung von Wörtern, für die jeweils eine besondere staatliche Einrichtung verantwortlich ist, zum Beispiel die Schreibung von Personennamen in den Dokumenten der Standesämter, die Schreibung von Orts-, Straßen- und Flurnamen, die behördlich festgelegt wird, sowie die Schreibung von Firmen- und Produktnamen. Nicht zum Gegenstandsbereich des Regelwerks gehört ferner der besondere Wortschatz von Fachsprachen, zum Beispiel die Terminologie der Chemie. Ebenfalls nicht geregelt werden Probleme einer geschlechtsneutralen Schreibung bei Personenbezeichnungen.  


© Peter Gallmann und Horst Sitta